19. Juni 2021: Fahrradsternfahrt nach Hanau/ 9:30h Start Offenbach

Wir unterstützen den Aufruf der Initiative 19. Februar Hanau zur Sternfahrt am 19.06.2021

Start in Offenbach
Auftaktkundgebung (9:30 Uhr)
Treffpunkt: Polizeipräsidium
(Geleitsstraße 124)

Abfahrt 10:30 Uhr und Zusammenschluss mit den Frankfurter*innen auf der Carl-Ulrich-Brücke um 11:20 Uhr

Mehr Infos und weitere Streckenpunkte unter: https://www.stern-fuer-hanau.de/routen

Mit den Familien der Opfer und den Überlebenden des 19. Februar 2020 rufen wir für den 19.06.2021, ein Jahr und vier Monate nach dem Anschlag, zu einer Fahrrad-Sternfahrt nach Hanau auf.

Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung, Konsequenzen – so lauten die zentralen Forderungen der Betroffenen und der Initiative 19. Februar Hanau, denen wir mit diesem Aktionstag weiteren Rückenwind verschaffen wollen. „Arsch in den Sattel, Zähne zeigen!“ Öffentlichkeit schaffen und Solidarität im Kampf um Aufklärung zeigen – zunächst dezentral auf den unterschiedlichen Routen und dann Alle gemeinsam in Hanau.

Aus möglichst vielen Städten und Orten im Rhein-Main-Kinzig Gebiet laden wir alle Interessierten ein, in kleinen und größeren Fahrradgruppen nach Hanau zu kommen: Hobby- und Rennradler:innen, Radclubs und Fahrradläden, Vereine oder Schulklassen, Critical Mass-Initiativen, Betriebssport- oder Umweltgruppen…

Regionales „Ride to Remember“
Wir werden sie nie vergessen: Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin.
Alle Radler:innen, die sich beteiligen wollen, sind aufgefordert, auf ihren Strecken zum Gedenken T-Shirts mit den Gesichtern und Namen der in Hanau Ermordeten zu tragen. Oder dazu passende antirassistische Aufnäher, Aufkleber oder Fähnchen z.B. mit „Say Their Names“ mitzuführen. Entsprechende Vorlagen werden wir in den kommenden Wochen zur Verfügung stellen, gleichzeitig wollen wir alle Interessierten bei der Routenplanung unterstützen und ein entsprechendes Kontaktnetz aufbauen.

Für den Abschluss in Hanau werden wir ein den Corona-Bedingungen im Juni angepasstes Konzept entwickeln, im besten Fall mit einer großen gemeinsamen Abschluss-Kundgebung um 13 Uhr auf dem Hanauer Freiheitsplatz.

Beteiligt Euch, lasst uns Bezugs- und Streckengruppen bilden und meldet Euch bei uns zur Vorbereitung und Koordinierung.

https://www.stern-fuer-hanau.de/aufruf

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“Ein Einzelfall kommt selten allein” Antifa-Demo: 15. Mai – Offenbach (Hbf)

Wir unterstützen den Aufruf zur Demo am Samstag um 15 Uhr:


https://keineinzelfall.noblogs.org

Seit mehreren Jahren vergeht keine Woche in der nicht über vermeintliche Einzelfälle von Neonazis, gehorteten Waffen oder anderen extrem rechten Umtrieben in Polizei, Bundeswehr oder anderen staatlichen Institutionen berichtet wird. Unzählige offengelegte rechtsradikale Gruppenchats innerhalb von Polizeirevieren oder dem BKA, verhärtete rechtsradikale Strukturen in der Bundeswehr und von Beamt:innen der vermeintlichen Sicherheitsbehörden gegründete Netzwerke mit rechtsterroristischen Bestrebungen wie “Uniter”, “Asgaard” oder “Nordkreuz” – sie alle widersprechen fundamental der vom Staat und seinen Vetreter:innen dogmatisch vorgetragenen These der Einzeltäter:innen. Darüber hinaus verdeutlichen sie nicht nur die massenhafte Durchsetzung dieser Institutionen mit Rechten, sondern stehen exemplarisch für eine bereits vorangeschrittene Organisierungen von Menschenfeinden, die vom deutschen Staat an der Waffe ausgebildet und mit sensiblen Daten betraut sind.

Als einer der bisherigen Schwerpunkte dieses bedrohlichen Phänomens hat sich Hessen und hier insbesondere die hessische Landespolizei herausgestellt. In ihr bildete sich 2018 der sogenannte “NSU 2.0”, welcher bis heute mit Namen und Adressen aus polizeilichen Datenbanken mehrere Menschen, vor allem politisch engagierte Frauen, bedroht und einzuschüchtern versucht. Dass bei den Ermittlungen der darin verwickelten Frankfurter Polizei bis dato keine verwertbaren Ergebnisse gefunden wurden und die involvierten Beamt:innen keine juristischen oder beruflichen Konsequenzen erfahren, verwundert uns nicht. Denn viel zu oft schon war dies in der Vergangenheit der Fall.

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Antifaschistische Stadtrundfahrt – Coronakonform und mit Fahrrad

Am 16. Mai 2021 (14 Uhr) wollen wir, die Geschichtswerkstatt und Offenbach Solidarisch, gemeinsam mit Interessierten coronakonform zu verschiedenen historischen Stätten des NS-Terrors in Offenbach fahren und diese thematisieren. Dabei wollen wir uns mit NS-Tätern und NS-Täterinnen auseinandersetzen sowie ein Schlaglicht auf jüdische Betroffene und Widerständige in Offenbach werfen. Hierzu planen wir etwa 2,5 Stunden ein und fahren mit dem Rad vor allem durch die Innenstadt, wo wir an etwa acht verschiedenen Punkten halten.

Dabei ist uns wichtig, genug Abstand zu halten, FFP2-Masken zu tragen und nicht mehr als zwölf Personen zu sein. Daher bitten wir alle Interessierten um Anmeldung (bis spätestens 3 Tage vor dem Termin) unter stadtrundgang_offi@systemli.org. So können wir euch auch weitere Infos, zu unserem Treffpunkt etwa, mitteilen. Fragen sind selbstverständlich ebenso willkommen. Wegen der hohen Nachfrage wiederholen wir die Stadtrundfahrt am 30. Mai 2021.

Das soll nicht die einzige Stadtrundfahrt bleiben, in den kommenden Monaten wollen wir inhaltlich daran anknüpfen und etwa an Orte der Zwangsarbeit und Euthanasie erinnern. Infos dazu folgen.

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Aufruf „Fünf Punkte gegen Corona“ – Alternativen zur Ausgangssperre in Offenbach gefordert

Die Freund*innen vom Offenbacher Beta.KollektivGut.Kiosk haben das Kurzprogramm “Fünf Punkte gegen Corona” veröffentlicht.

https://betakollektivgutkiosk.cargo.site/Funf-Punkte-gegen-Corona

Sie fordern darin anlässlich der erneut verhängten nächtlichen Ausgangssperren in Offenbach eine soziale Alternative zu dieser Form des Eingriffs in den letzten Rest unseres privaten, sozialen und öffentlichen Leben.
Die Forderungen knüpfen an den Offenen Brief “Lockdown für Lohnarbeit statt Ausgangssperre” an, der schon im Dezember 2020 für einige – auch mediale – Aufmerksamkeit gesorgt hat. Allerdings noch lange nicht genug…
Deshalb gehören wir mit anderen lokalen Initiativen zu den Erstunterzeichnenden. Lest, verbreitet, diskutiert und mischt Euch ein!

https://offenbachsolidarisch.blackblogs.org/2020/12/22/lockdown-fur-lohnarbeit-statt-ausgangssperre/

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Keine Bühne für Faschisten! Am 4.3.2021 Björn Höcke in OF verhindern!

Die AfD hat mitgeschossen. Bevor Tobias R. in Hanau neun Menschen ermordete, schaute er sich ein Video von Björn Höcke an – dieser rief darin zum Umsturz auf.

Am 04.03.2021 will Björn Höcke seinen am 12.2.2021 abgesagten Besuch in Offenbach nachholen um wieder eine Rede zu halten. Wenn wir wollen, dass sich Hanau nicht wiederholt, dann sind es auch solche Anlässe, bei denen wir eingreifen müssen! Keinen Zentimeter für Höcke, keinen Zentimeter für die AfD, keinen Zentimeter für rassistische Hetze und diskriminierende Propaganda.

Am 04.03.2020 wird es diverse Veranstaltungen des Gegenprotestes geben:

Ab 13 Uhr: Kundgebung am Marktplatz (Büsingpark/Berlinerstraße)
Ab 15 Uhr: Antifaschistische Demonstration durch die Offenbacher Innenstadt (Startpunkt wird noch bekannt gegeben)

Zugtreffpunkt aus Frankfurt: 12:35 Konsti Gleis 2 nach OF (S-Bahn um 12:44 Uhr)

Am 04.03.2021 sollten wir Alle unsere Anklage und unsere Wut auf die Straße tragen und die AfD als Mittäter bennen. Das Problem heißt nicht Migration, das Problem heißt Rassismus.

Für mehr Infos schaut auch unter dem Hashtag #of0403 vorbei!

https://www.frankfurter-info.org/termine/keine-buehne-fuer-faschisten-1

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Ein Jahr nach Hanau – “Erinnern heißt verändern!”

FREITAG, 19. FEBRUAR 2021 UM 16:30
AM POLIZEIPRÄSIDIUM SÜDOSTHESSEN IN OFFENBACH

Erinnern und Anklagen – Kundgebung und Gedenken

Ein Jahr nach den rassistischen Morden in Hanau möchten wir in Offenbach der Aufforderung der Angehörigen zu dezentralen Gedenkveranstaltungen solidarisch nachkommen und die Forderung nach politischen Konsequenzen weitertragen.
Wir versammeln uns um 16:30 Uhr am Polizeipräsidium Südosthessen; Geleitstraße 124, 63067 Offenbach am Main und laufen von dort zum Marktplatz für ein gemeinsames Gedenken (ca. 18 Uhr).

Wir trauern und erinnern uns an Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin.

Auch ein Jahr nach der Tat fordern Angehörige und Betroffene Aufklärung, Antworten und Konsequenzen. Der 19. Februar ist ein Tag des Erinnerns und der Trauer, aber auch ein Tag der Anklage. Behörden und Polizei sind aufgefordert, Versäumnisse, Fehlverhalten und Versagen offen zu legen sowie Fragen der Familien zu beantworten. Hier sehen wir das Polizeipräsidium Südosthessen in direkter Verantwortung. Wir fordern gesamtgesellschaftliche politische Konsequenzen. Wir brauchen Taten statt Worte und klagen den andauernden rassistischen Normalzustand an.

Wir wollen in Offenbach ein Zeichen für Solidarität und gegen rechte Gewalt setzen. Wir wollen gemeinsam trauern, Beistand leisten und den Worten und Anklagen der Angehörigen Raum geben. Dazu werden wir neben Redebeiträgen auch Audio-Sequenzen der Überleben-den, Angehörigen und Freund*innen hören und ihre Forderungen auch in Offenbach hörbar machen.

Gemeinsam wollen wir an Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin erinnern und ihre Namen unvergessen machen.

Wir bitten darum keine Nationalfahnen und keine Parteifahnen auf die Demo mitzubringen


„Erinnern heißt verändern!” Für eine Gesellschaft in der alle ohne Angst leben können.

Offenbacher Bündnis gegen Rassismus und rechte Gewalt

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Keine Bühne für Faschisten! Gegen Höcke in Offenbach am 12.2.2021

Update: Höckes Veranstaltung in Offenbach für morgen (12.02.2021) ist abgesagt und damit auch der direkte Gegenprotest.

Stattdessen freuen wir uns über die Veranstaltung von BUNTstattbraun um 14:00 vorm Offenbacher Rathaus “Offenbach ist und bleibt bunt – Kein Platz für Hetze und Rassismus”

—————————–

Am 12. Februar soll der Faschist Björn Höcke in Offenbach öffentlich auftreten. Wir werden das nicht unkommentiert lassen und mit einem breiten Bündnis gegen Rassismus und rechte Hetze unseren Protest auf die Straße tragen. Haltet euch den Termin frei und kommt zahlreich.

13 Uhr: Infopunkt Offenbach Marktplatz
15 Uhr: Aktionen gegen die AfD in Offenbach

Gemeinsame Anreise aus Frankfurt:
12:45 Uhr, S2 ab Konstablerwache, Gl. 2

Denkt an Abstand und das Vermummungsgebot. Stay safe & healthy!

https://www.frankfurter-info.org/termine/keine-buehne-fuer-faschisten

120221OF

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Aktuelle Reaktionen in der Presse

Unsere Pressemitteilung von Mitte Januar zum skandalösen Umgang mit Wohnungslosen während der Ausgangssperre in Offenbach hat nun immerhin zu etwas mehr Öffentlichkeit geführt. Nach Interview und schriftlichem Austausch sind folgende Artikel in der FR und der Jungen Welt erschienen – und am Rande bei Heise.de.
Wir hoffen dass es der Stadt OF dadurch schwerer wird ihre Verantwortung hinter hohlen Phrasen zu verstecken. Die Forderung nach dem guten und sicheren Leben für Alle ist auch in PandemieZeiten nicht obsolet. Wir bleiben wachsam und solidarisch.

https://www.fr.de/rhein-main/raeumung-trotz-kaelte-90188021.html

Junge Welt

Heise.de

jungle.world Kein Winter ohne Räumungen

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Während Ausgangssperre und Pandemie: Polizei räumt Menschen ohne Wohnung

Zunehmende Repression gegen Wohnungslose in Offenbach.

In der Nacht vom 19. auf den 20. Dezember 2020 hat die Polizei drei Menschen aus dem nach einem Brand seit 2019 leerstehendem Wohnhaus (Waldstraße 18, Offenbach) geräumt. Zwischen 0:30 und 3:30 Uhr waren die Offenbacher Polizist*innen mit zeitweise sieben Gruppenkraftwagen vor Ort, unterstützt zunächst von Stadtpolizei und Feuerwehr, inklusive Leiterwagen. In das abgeriegelte Wohnhaus verschaffte sich die Polizei über ein Außengerüst Zutritt. Sie hat die dort Zuflucht suchenden Menschen über eine Drehleiter offenbar gegen deren Willen aus dem Gebäude geholt und Personalien aufgenommen. Danach wurden sie dem Winter und der Nacht ausgesetzt. Uns liegen mehrere Augenzeug*innenberichte zu den Vorgängen vor.

Den unter Zwang geräumten Personen, die dort Schutz vor der Kälte und Rückzug gesucht haben, wurde beides genommen. Sie gehören zu den zahlreichen Wohnungslosen, die während der Ausgangssperre nicht nur in ihrer Notsituation von staatlicher Seite allein gelassen werden, sondern zudem auch unter den Maßnahmen besonders leiden. Dass während der Ausgangssperre geräumt wurde, ist völlig unverhältnismäßig und perfide. Zu dem Zeitpunkt war es Menschen verboten, vor die Tür zu gehen: Weder war so eine mediale Begleitung möglich noch konnten die Betroffenen unterstützt werden.

Als Initiative für eine solidarische Stadt haben wir in den vergangenen Monaten immer mehr Fälle zugespielt bekommen, die die stetige Prekarisierung von Wohnungslosen verdeutlichen. Statt Schutzräume zu erhalten, erfahren viele nur zusätzliche polizeiliche Repression und rechte Gewalt. Sie bleiben auf sich alleine gestellt. Das kann so nicht weiter gehen! Wir fordern von der Stadt Offenbach einen solidarischen Umgang mit der Krise, Rückzugräume und Unterstützung für Wohnungslose statt Repression und Ausgrenzung!

Kontakt: los@riseup.net

Weitere Informationen: Im Offenen Brief von unseren Genoss*innen werden weitere, dringend nötige Maßnahmen für einen solidarischeren Umgang mit Corona ausgeführt: Lockdown für Lohnarbeit statt Ausgangssperre

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Lockdown für Lohnarbeit statt Ausgangssperre

LOS! unterstützt den offenen Brief:

Lockdown für die Lohnarbeit statt Ausgangssperre!
Offener Brief an Menschen, die von Ausgangssperren betroffen sind.

Ab Samstag, den 12.12. herrscht in der Stadt Offenbach, im angrenzenden Main-Kinzig-Kreis und dem Kreis Offenbach, sowie in einigen weiteren Regionen Deutschland eine Ausgangssperre – das bedeutet, dass Menschen sich nach 21 Uhr und vor 5 Uhr morgens nicht mehr “ohne triftigen Grund” (triftige Gründe sind dabei durch Seiten der Verantwortlichen festgelegt worden; sie zählen dazu z.B. das Begleiten Sterbender, der ‘ehrenamtliche’ Einsatz im Katastrophenschutz oder der Weg von oder zur Lohnarbeit, wie bspw. von oder zur Nachtschicht) außerhalb ihrer Wohnungen bewegen dürfen. Grund dieser Maßnahmen sind die steigenden Fallzahlen von Covid19-Infektionen in Offenbach sowie einem damit einhergehenden Anstieg der im Zusammenhang mit einer Covid19-Infektion Sterbenden und die Überlastung der angrenzenden Krankenhäuser.

Wir sind keine Corona-Rebell*innnen, Corona-Leugner*innen, Querdenker*innen oder Menschen die an Verschwörungserzählungen glauben.
Wir grenzen uns klar von den Leuten ab, die unter anderem am Samstag, den 12.12. zur großen Querdenken-Demo nach Frankfurt mobilisiert haben und gegen die wir uns auf die Straße bzw. die brechend vollen Frankfurter Einkaufsmeilen gestellt haben.
Wir sind für einen solidarischen Umgang in der Pandemie und Aufklärung.
Wir halten das Tragen von Masken, das Einhalten von Abständen, eine Reduzierung von Kontakten und das Vermeiden von großen Gruppenzusammenkünften für sinnvoll.
Wir wollen uns gegenseitig helfen, unterstützen und solidarisch durch diese Krise kommen, die für uns eine von vielen Krisen in diesem schon so lange kaputten kapitalistischen System ist, das uns, unsere Beziehungen und unsere Umwelt zerstört.
Wir leugnen nicht die Gefahr, die vom Virus ausgeht und wir haben ein Interesse daran, ein Leben nach der Pandemie nicht nur zu erleben, sondern auch es anders als das Krisenhafte davor zu gestalten.

Wir kritisieren die Maßnahme der Ausgangssperre scharf. Das Verbot, sich nach einer gewissen Uhrzeit im öffentlichen Raum bewegen zu dürfen und die Auflage in der Wohnung bleiben zu müssen, ist eine Maßnahme im Repertoire eines immer stärker werdenden autoritären, rassistischen und neoliberalen Staates.
Die massiven Einschränkungen unserer Freiheitsrechte stehen mit den erhofften Ergebnissen dieser Einschränkungen in keinem Verhältnis. Wir glauben nicht, dass eine Ausgangssperre, die sich über die Nacht zieht, in einer Zeit, in der sich viele Menschen ohnehin schon in ihren vier Wänden aufhalten und die Straßen in Offenbach nahezu menschenleer sind, die Infektionsfallzahlen verringern wird.

Das Zuhause nur noch verlassen zu dürfen, um (in vollen öffentlichen Verkehrsmitteln und im Gedränge von S-, U-Bahn, Zug und Straßenbahn) zur Arbeit zu fahren oder den ganzen Tag sich im schlecht ausgestatteten Home-Office und mit zusätzlicher Kinderbetreuung abzuquälen, ist noch gestattet – sich davon aber erholen zu wollen, mit Freund*innen, Familienmitgliedern, Kindern oder anderen draußen zu sein, einen Spaziergang in kleinen Gruppen zu unternehmen oder sich nach der Arbeit kurz draußen auf ein Feierabendgetränk zu treffen, ist im Zuge dieser Maßnahme unmöglich geworden.
Die Ausgangssperre zielt als Maßnahme explizit auf den privaten Raum,und das wird beispielsweise von Felix Schwenke, Offenbacher Oberbürgermeister (SPD) auch ganz offen so kommuniziert.

Sozialität, das Bedürfnis, andere Menschen zu sehen und mit ihnen in Kontakt zu kommen, die Grundlage unseres menschlichen Zusammenseins wird hier explizit und als solches zu verhindern versucht. Arbeiten gehen und alles, was dafür notwendig ist, wird weiterhin erlaubt sein – Reproduktion, Muße, Entspannung, Erholung, gemeinsam mit anderen sein und Beziehungen pflegen und aufbauen und all das, was uns von Arbeitsmaschinen unterscheidet, wird verboten. Während die Schutzmaßnahmen auf dem Weg zur Lohnarbeit und während der Lohnarbeit in vielen Fällen lax gehandhabt werden, steigt der Druck auf das Sozialleben, das seit Beginn der Pandemie ohnehin schon eingeschränkt ist. Es wird immer deutlicher, dass wir zwar arbeiten sollen, uns aber nicht mehr gemeinsam entspannen und ausruhen dürfen!

Der Grund, warum “die meisten Infektionen im privaten Raum” stattfinden, hat jedoch auch andere Ursachen. Durch die Ausgangssperre wird suggeriert, dass damit private Begegnungen von unsolidarischen und/oder unverständigen Menschen unterbunden werden können, die sich “schlicht nicht an die Regeln halten”. Dies lässt die Komplexität des Infektionsgeschehens und vor allem dessen soziale Seite außer Acht. Diese Pandemie trifft eben – verdammt noch mal – nicht alle gleich: sie trifft insbesondere die, die ohnehin schon unter prekären Bedingungen leben und arbeiten müssen! (Es ist kein Zufall, dass Offenbach in der sog. ersten Welle (als Infektionen noch bis zu den Ski-Urlauber*innen aus Ischgl zurück verfolgt werden konnten) von der Pandemie weniger stark betroffen war, als nun in der sog. zweiten Welle.)

Wo Wohnraum hochpreisig und mit viel Platz am Hafen gebaut wird, finden andere, z.B. wohnungslose Personen, von patriarchaler Gewalt betroffene Frauen*, (jugendliche) Queers und Kinder – eben keinen Platz mehr, insbesondere dann, wenn die Ausweichmöglichkeit im öffentlichen Raum durch die Schließung von Sozialeinrichtungen, Jugendzentren und anderen Treffpunkten wie Sportvereinen und Sportplätze bereits massiv eingeschränkt sind.
Corona-Infektionen finden daher statt, weil die verfehlte Wohnraumpolitik auch der Stadt Offenbach dazu führt, dass viele Menschen und Familien auf engstem Raum und unter schwierigen Bedingungen wohnen müssen, dass Arbeiter*innen sich häufig mit vielen anderen ein Zimmer, z.T. mit Stockbetten teilen und somit Abstand halten kaum möglich ist.

Die Ausgangssperre ist daher gleichermaßen eine brutale Maßnahme gegen die, die kein “gutes” oder eben gar kein Zuhause haben. Sie nimmt billigend die Repression in Kauf, die Menschen erfahren, die kein Zuhause haben oder für die das Zuhause keinen sicheren Ort darstellt.
Sie ist gleichermaßen auch ein Schlag ins Gesicht derer, die eh schon das Gefühl haben, dass ihnen die Decke auf den Kopf fällt, die seit März eh schon einsam(er) geworden sind; Ältere, Kranke und Personen mit Suchtproblemen und seelischen Leiden, die aus ihren eigenen vier Wänden kaum noch rauskommen.

Was geschieht im Zuge der Ausgangssperre?
Eine Ausgangssperre zieht ordnungspolitische, aber keinerlei sozialpolitische Maßnahmen nach sich. Kurz: sie ist ein Freifahrtschein für noch mehr rassistische Polizeikontrollen, Verdrängung derer, die eh schon am Rand der Gesellschaft leben und ein Grund, warum noch mehr nach “Freiwilligen im Polizeidienst” oder generell nach mehr Personal innerhalb der Polizei- und Ordnungskräfte gerufen wird.
Eine Ausgangssperre schafft jedoch keinen qm mehr Wohnraum oder auch nur einen Platz im Frauenhaus mehr. Sie löst kein einziges politisches Problem, das zuvor verschlafen, verschoben oder absichtlich zur Seite gelegt wurde. Im Gegenteil: sie verschärft das, was vorher schon beschissen war. Patriarchale Gewalt und die physischen und psychischen Folgen davon, Femizide und die psychischen Folgen von Einsamkeit und Isolation sind bereits gestiegen und werden durch die Ausgangssperre noch massiver steigen. Diese sozialen Kosten werden die “wirtschaftlichen Kosten” dieser Pandemie bei weitem übertreffen.
Der Beschluss der Einführung einer Ausgangssperre ist damit auch ein Armutszeugnis einer Stadt und ihrer politischen Führung.

Beschlossen wird diese Maßnahme von einem Krisenstab der Stadt Offenbach, der zu großen Teilen weiß, cis-männlich, vermutlich heterosexuell und in romantischen Zweierbeziehungen lebt (ebenso wie der Wissenschaftsrat der “Leopoldina”, der diese Maßnahmen ebenso befürwortet) und in Wohngegenden und Neubaugebieten wohnt, in denen für Autos insgesamt mehr Platz vorgesehen ist, als der Wohnraum mancher Wohnungen in der Offenbacher Innenstadt umfasst. Auch hier wird deutlich, dass die Pandemie uns nicht alle gleich trifft.

Wir fordern daher die Verantwortlichen der Stadt Offenbach dazu auf,

  • sich endlich und eingehend mit den sozialen Folgen der Pandemie zu beschäftigen und die Ursachen der prekären Lebenslagen zu bekämpfen! Dazu gehört auch, die soziale Infrastruktur für Menschen in prekären Lebenslagen auszubauen und langfristig zu finanzieren.
  • Hotels müssen für Geflohene, Wohnsungslose und Menschen, die von patriarchaler Gewalt betroffen sind, geöffnet werden.
  • Wir fordern eine Erhöhung der Frauenhausplätze um 100% und die Öffnung dieser Schutzräume für von patriarchaler Gewalt betroffene Queers, Nicht-Binäre und Trans-Personen, sowie für Menschen,die sich nicht innerhalb der binären Geschlechterordnung verorten.
  • Wir fordern, die Ausgangssperre aufzuheben und die Plätze der Stadt Offenbach (Wilhelmsplatz, Marktplatz, Hafenplatz und Hafentreppe, Parkplätze am Main) sowie die Hauptverkehrsadern der Stadt (Berliner Straße, Kaiser- und Waldstraße) autofrei zu machen und dort pandemie-konforme Begegnungen von Menschen draußen, barrierefrei, mit Abständen und mit Mund-Nase-Bedeckung und kostenlosen Heißgetränken auch nach 21 und vor 5 Uhr, sowie am Wochenende zu ermöglichen.

Das Fundament der Ausgangssperre ist die Abwertung von Reproduktionsarbeit und Care-Work, eine Hierarchisierung der Lohnarbeit über das Soziale Leben.
Es ist aber nicht unsere Arbeit, die uns lebendig macht, sondern es ist unser Zusammensein und unsere Beziehungen zueinander! Soziale und reproduktive Zusammenhänge werden immer wieder – und so auch in dieser Pandemie – abgewertet. Daher fordern wir:

Lockdown für die Lohnarbeit, statt Ausgangssperre!

Erstunterzeichner*innen
Linke Einzelpersonen aus Offenbach
LOS! Offenbach Solidarisch
Beta.KollektivGut.Kiosk
FAO Feministisch Antifaschistisch Offenbach
AK069 Antifaschistisches Kollektiv 069
 

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